18. März 2016 | von Johanna Stammler, Sabine Söll- Tauchert & Aline Senn Kommentieren

Den Goldschmiedinnen über die Schulter geblickt

Tradition – Inspiration – Kreation 

Der Glanz und die kunstvolle Verarbeitung von Silber und Gold ziehen uns in ihren Bann. Seit der Frühzeit wurden diese Edelmetalle immer wieder in neue Formen gebracht. Das vollendete Werk beeindruckt oft so, dass wir uns fragen, ob es wirklich von Menschenhand geschaffen wurde. 
Davon können wir uns im Atelier von Aline Senn in Basel überzeugen. Wir staunen über die ruhige Hand, Konzentration und Präzision der beiden Goldschmiedinnen. Wir halten den Atem an und warten ob es mit dem Abguss einer versteinerten Muschelform klappt. Verblüffend, wie diese mit dem noch nicht abgeschliffenen Eingusskanal einem Baselstab ähnelt. Einige Werkzeuge wirken vertraut. So wird der Sand mit einer Haushaltreibe geraffelt, die Stabwalze erinnert an eine Nudelmaschine oder als Unterlage des Schmelztiegels dient ein Kuchenblech. Aber schauen Sie selbst.


Atelier Aline Senn, Basel. Film: Philipp Emmel

 

Es ist das sogenannte „Gürteltier, das mir die Goldschmiedin auf die Fragen zeigt, was sie inspiriert und was das Eigene ihrer Arbeit ist. Gebogene Eisenblechteile mit hornfarbener Fassung sind auf ein Segeltuch genietet, so dass sich die Arbeit biegen lässt. Weiche Fuchsfellhaare ragen neckisch zwischen den wehrhaften Metallteilen hervor. 

Wie ist Aline Senn auf diese Idee gekommen? Sie beobachtete eine Wespe, die ein Stück Schinken abschneidet. Dabei bewegen sich die Körperglieder dauernd. Daraus kreierte sie 1989 diesen Schulterschmuck, der sich an den Körper der Trägerin anschmiegt und jede Gelenkbewegung aufnimmt. Der Schmuck war nicht für den Verkauf gedacht, sondern ging 1991 in die Galerie „Fremde Federn“ in Zürich, welche einen Schmuckverleih aufbauen wollte. Die Formgebung wurde auf Wunsch in Fingerringen, Ohrsteckern oder Schmuckanhängern umgesetzt. Die Natur diente als Quelle für diese überraschende Umsetzung im Atelier. Was würden denn Sie gerne in einem Goldschmiedeatelier umsetzten lassen?  

Im Namen des ganzen HMB-Blog-Teams danke ich Aline Senn und Aline Battegay für die eindrückliche Präsentation der Techniken im Atelier. Ganz begeistert, bin ich mit dem Wunsch aus dem Atelier gegangen, selbst Goldschmiedin zu werden. Was würden denn Sie gerne in einem Goldschmiedeatelier umsetzten lassen?

Ähnliche Artikel

14. Dezember 2017

Eintauchen

Winzige Partikel schweben im Wasser, sinken auf die Flusssohle oder werden an die Ufer gespült – ein gefundenes Fressen für viele Kleinstlebewesen, für Fische und Vögel. Doch die Partikel sind nicht nahrhaft, sondern bestehen aus dem allgegenwärtigen Plastik.

Patricia Holm ist Leiterin der Forschungsgruppe Mensch-Gesellschaft-Umwelt und des Masterstudiengangs für nachhaltige Entwicklung (MSD) an der Universität Basel. Im Rahmen der Sonderausstellung "Aufgetaucht. Basels geheimnisvolle Wasserfunde" tauchen wir mit ihr in das Thema der Mikroplastik im Rhein ein.

Eintauchen weiterlesen
30. November 2017

Auf Takt mit Dominik Heitz

"Treffendes über das Taktgefühl sagen und schreiben lässt sich Vieles, aber nicht immer vermag man es spielend umzusetzen."

In unserer Blogserie „Auf Takt mit …“ lassen wir im Rahmen der Sonderausstellung „Auf Takt!“ verschiedene Persönlichkeiten zu Themen rund um das Metronom zu Wort kommen. Im letzten Beitrag macht sich der Journalist und Stilkolumnist Dominik Heitz Gedanken über das "Taktgefühl".

Auf Takt mit Dominik Heitz weiterlesen
Das HMB auf YouTube
AUFGETAUCHT
#rheingeworfen vol.2
KÄMPFE MIT KONRAD GEGEN DIE PEST
Das HMB auf Instagram
Das HMB auf Twitter