19. Mai 2016 | von Daniele Turini Kommentieren

Das Social Web als virtueller Ausstellungsraum

Die Bedeutung und Definition digitaler Ausstellungsräume ist in der Museumsszene ein heiss diskutiertes Thema. So auch am Weiterbildungstreffen des Opens external link in new windowSchweizerischen Verbands der Fachleute für Bildung und Vermittlung im Museum, an welchem wir anfangs April einen Workshop zum Thema "Neue Medien im Museum" abhalten durften. Dabei fiel auf, dass es dem Begriff vor allem an Schärfe und Substanz mangelt. Diesen Blogbeitrag widmen wir deshalb der Art und Weise, wie wir am Historischen Museum Basel soziale Medien in die Ausstellungs- und Vermittlungsaktivitäten einbeziehen. 

DIE PROBEZEIT IST ABGELAUFEN!

Der Mai 2015 war für die digitalen Aktivitäten des HMB gleichermassen entscheidend wie zukunftsweisend. Knapp zwei Jahre waren verstrichen, seit dem Entscheid, digitale und soziale Medien konsequent in unsere Ausstellungs- und Vermittlungsaktivitäten einzubeziehen. Eine Strategie war fällig! Die Basis hierfür bildete unser Opens external link in new windowMission Statement, aus welchem sich Folgendes ableiten lässt: 

In seinen Ausstellungen behandelt das Museum historische und aktuelle Themen in einem regionalen, nationalen und internationalen Kontext. Es nutzt über das Medium der Ausstellung hinaus weitere Kommunikationsformen.

Auszug aus dem Mission Statement des Historischen Museums Basel

Soziale und digitale Medien können demnach als unterstützende oder gar autonome Form der Wissensvermittlung auftreten. An folgenden Unterzielen halten wir dabei fest:

  • Akquise neuer Publika: Nebst museumsaffinen BesucherInnen wollen wir vermehrt auch ein digitales, themen- sowie formataffines Publikum ansprechen. Mehr dazu in unserem Blogbeitrag zum Thema Tweetups.
  • Diversifizierung des Ausstellungserlebnisses: Ein heterogenes Publikum hat unterschiedliche Bedürfnisse was die Informationsbeschaffung betrifft. Der Einsatz unterschiedlicher Mediengattungen soll helfen, diesen Ansprüchen gerecht zu werden.
  • Wahrnehmung unterschiedlicher Lernformen: Durch Partizipation, das aktive Spielen (Gamification), aber auch anderen Lernformen wie z.B. Nachahmung sollen verschiedene Lernreize aktiviert und stimuliert werden.


eCulture als abteilungsübergreifende Disziplin im HMB, HMB Digital Strategy 2015-17


VON DER THEORIE IN DIE PRAXIS

«SAG MIR, WIE DU WOHNST… UND ICH SAGE DIR WER DU BIST»

Was ursprünglich als eine Form des Content Marketings angedacht war, entpuppte sich für die Ausstellung "Sag mir, wie Du wohnst…" als zusätzliche Ausstellungsebene. Inhaltlich thematisierte das Projekt den Lebensstil des Menschen, seine gesellschaftliche Stellung und Gewohnheiten – enormes Potential also, unsere Besucherinnen und Besucher bei der Erstellung von Inhalten einzubeziehen. In einem crossmedialen Aufruf wurde nach den Lieblingsräumen der HMB-Community gesucht. Über diverse Wege (Instagram, Twitter, Facebook, E-Mail, Post) fanden die Fotos anschliessend den Weg zurück in die Ausstellung. An dieser Stelle sei gesagt, dass das Projekt enormen Kommunikationsbedarf forderte. So funktionierte der Aufruf nur so lange, wie er auch zu den Leuten durchdrang. Eine Sättigungsphase war nach wenigen Monaten klar spürbar. In einem Blogbeitrag von Marion A. Kirbis schildert die Journalistin ihre Eindrücke zum Projekt.

 

#MUSEUMOFSELFIES ALS DIGITALE WANDERAUSSTELLUNG

Als die Dänische Art Directorin Olivia Muus im Herbst 2014 den Hashtag #MuseumofSelfies ins Leben rief, war wohl niemandem so wirklich klar, in welchem Ausmass sich die Aktion entfalten würde. In Windeseile stellten diverse Museen Ihre Sammlungen – in einer zugegeben humorvollen Art und Weise –  ins Netz. Auch wir nutzten die Gelegenheit, historische Basler Persönlichkeiten und ihre Geschichten um den Globus zu schicken. Nach Opens external link in new windowFelix Platter und Opens external link in new windowRemigius Faesch reiste mitunter auch Opens external link in new windowScheich Ibrahim auf die Smartphones unserer Community und vermittelten so ein Stück Stadtgeschichte im virtuellen Raum. Durch eine schweizweite Opens external link in new windowBerichterstattung in der Tageszeitung "20 Minuten" erhielt das Projekt viel Aufmerksamkeit. Darunter gab es sowohl positive, als auch negative Stimmen. Für uns bot die Museum of Selfies-Ausstellung die Möglichkeit, unseren Objekten eine neue Perspektive zu verschaffen. Die Perspektive eines Publikums, zu welchem wir bisher vielleicht noch nicht vorgedrungen sind. 

 

DIE DEFINITION VON ERFOLG

Entgegen der Headline "Museums-Selfies sollen junge Besucher anlocken" gibt der Einsatz sozialer Medien keine Garantie hierfür. Generell sollte man sich bewusst sein, dass soziale Medien keine Allzweckwaffe sind, die Besucherzahlen zu verzehnfachen. Auch sollten sie nicht als reines Marketing-Instrument verstanden werden. Am HMB nutzen wir die Plattformen u.a., um neue Zugänge zur Basler Stadtgeschichte zu schaffen. Museumsinhalte können so auf mehreren Ebenen kommuniziert und vermittelt werden. Die Erfahrung zeigt: Je niederschwelliger das Projekt, desto grösser die Chancen der Partizipation. Die Verwendung sozialer Medien beeinflusst mittelfristig auch die mediale Wahrnehmung. Es entsteht ein Dialog, welcher wiederum die Besucherbindung fördern kann.

Abschliessend lässt sich festhalten, dass soziale Medien dann einen Mehrwert bieten, wenn ihr Potential erkannt und wahrgenommen wird. Analoge Projekte können also durchaus ergänzt, sollten aber auf keinen Fall im Copy-Paste-Verfahren aufs Digitale abgewälzt werden. Es empfiehlt sich demnach zuerst die Inhalte eines Projekts zu definieren und erst danach über die geeignete Plattform zu entscheiden. Anschliessend gehören die Leistungsindikatoren definiert. So können Zugriffe und Verweildauer einer Website sowie das Wachstum von Plattformen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Auch die Reichweite und Interaktionen von Beiträgen sind wichtige Gradmesser digitaler Kampagnen.

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