31. März 2016 | von Rebecca Häusel Kommentieren

Das Schiff in Aktion (2/2)

Um als Zunftbruder in die E. Zunft zu Safran aufgenommen zu werden, durchlaufen Neumitglieder ein Verfahren, das ein Aufnahmegespräch bei den Vorgesetzten und ein paar Formalitäten beinhaltet. Abschluss und Höhepunkt der Aufnahme ist das Ritual am Aschermittwoch: An diesem besonderen Tag im Zunftjahr werden die Neuaufgenommenen vor versammelter Zunftbruderschaft dazu aufgerufen, unter Trommelwirbel ein Gefäss mit Weisswein auszutrinken. 

Claude Schrank, 31-jähriger Anwalt aus Basel, hatte sich bei E. E. Zunft zu Safran um die Mitgliedschaft beworben. Für das Aufnahmeritual standen ihm verschiedene mit Wein gefüllte Trinkgefässe zur Auswahl. Sie sind alle handgefertigt und im Besitz der E. Zunft zu Safran. Das zweitgrösste aller Gefässe ist das reich verzierte, goldene Schiff, das momentan viel Aufmerksamkeit als Leitobjekt in der Ausstellung SILBER & GOLD auf sich zieht. Der Rumpf fasst rund 1,2 Liter. Das Schiffsdeck des Dreimasters lässt sich abnehmen, um das Trinken daraus überhaupt zu ermöglichen. Claude Schrank entschied sich für dieses edle Gefäss. 

Diese Entscheidung fällte er für sich schon lange vor dem Aschermittwoch, ohne sie aber mitzuteilen. Als publik wurde, dass Claude Schrank aufgenommen wird, ermutigten ihn seine Kollegen, am Aschermittwoch dann tatsächlich das Schiff zu wählen. Von erfahrenen Zunftbrüdern erhielt er unzählige sich teilweise widersprechende Tipps, wie das Trinken aus dem Schiff am besten zu bewältigen sei. So meinten die Einen, man solle beim Trinken am runden Bug ansetzen. Andere rieten wiederum, unbedingt an einer Ecke des geraden Hecks anzusetzen. Je nachdem sei es von der einen oder anderen Seite einfacher, aus dem Gefäss zu trinken. Der wohl wertvollste Tipp bestand darin, zuhause mit einer Salatschüssel zu üben, um sich auf die Trinkmenge einstellen zu können. „Am Ende muss man auf sich selbst hören und der Intuition folgen“ stellt Claude Schrank heute fest.

Der entscheidende Moment kam, wie jedes Jahr, etwa um 17:30 Uhr. Der Statthalter E.E. Zunft zu Safran leitet jeweils das Ritual ein. Die neuen Zunftbrüder treten danach einzeln nach vorne, stellen sich vor und schreiten zur eigentlichen Tat: Sie wählen eines der bereitgestellten Trinkgefässe – bis oben gefüllt mit Weisswein. Die Zunftbrüder rufen lautstark im Chor: „Schiff!! Schiff!“. Danach gibt es kein Zurück mehr. Der Adrenalinspiegel hebt sich sprunghaft, wenn der Trommelwirbel einsetzt. Die Spannung steigt. Vor versammelter, johlender Zunftbruderschaft muss jetzt der Kandidat das Gefäss – ohne es abzusetzen – austrinken. Claude Schrank war in diesem Moment angespannt und hoch konzentriert bei der Sache. „Der Wirbel um das Schiff ist grösser als das Trinken selbst“, fasst er nachträglich dieses einmalige Erlebnis zusammen. 

Der Höhepunkt des Zunftjahres stellt für E. E. Zunft zu Safran der Aschermittwoch dar. Das ist der Grund, weshalb die Vitrine im Museum für Wohnkultur zu dieser Zeit leer blieb. Claude Schrank hauchte mit seiner mutigen Wahl für dieses Trinkgefäss dem nur selten benutzten Ausstellungsstück wieder das Leben ein, wofür es letztlich erschaffen wurde. 

Zurück in die Vitrine

Im Anschluss an den Aschermittwoch kam das Schiff zurück in das Historische Museum Basel. Das Schiff befindet sich seither wieder an seinem Platz in der Sonderausstellung SILBER & GOLD und kann dort noch bis zum 3. April 2016 besichtigt werden. Dies ist die letzte Gelegenheit das Schiff zu sehen, bevor es zur Aufbewahrung an einen der Öffentlichkeit verborgenen Ort gebracht wird. Spätestens am nächsten Aschermittwoch tritt es dann wieder in Aktion – dieser findet übrigens am 1. März 2017 statt.


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Ähnliche Beiträge: Blogbeitrag "Ein Schiff wird kommen" (1/3) / Blogbeitrag "Setzt die Segel!" (2/3) / Blogbeitrag "Deck Schrubben!" (3/3) 

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