20. September 2016 | von Rebecca Häusel Kommentieren

5 Fragen an Nicolas Lüscher

Opens external link in new windowMinerva-Schlitten, Basel, Ende 19. Jahrhundert (Inv.-Nr. 1933.223.) / Opens external link in new windowAnsicht des Münsterplatzes, Farblithografie von Niklaus Stöcklin, Basel, 1949 (Inv.-Nr. 1950.490.)

 

Nicolas Lüscher (*1945) ist Sammler historischer Kutschen. Er beteiligte sich 2012 massgeblich an der Gründung von Hü-Basel und ist seither als Präsident des Vereins tätig. In seiner Freizeit veranstaltet er regelmässig Events sowie Fahrten mit Kutschen und Pferdegespannen. Darüber hinaus beteiligt sich Nicolas Lüscher an unterschiedlichen Projekten im Dreiländereck und setzt sich mit grossem persönlichem Engagement für die Kutschen- und Schlittensammlung des Historischen Museums Basel ein. 



1. Welchen Aufgaben geht der Verein nach? Veränderten sich diese? 

Der Opens external link in new windowVerein Hü-Basel besteht seit 2012, um das Museum für Pferdestärken (damals Kutschenmuseum) finanziell und ideell zu unterstützen. Wir beteiligen uns seither an verschiedenen Aktionen des Museums, wie an der Museumsnacht, mit Kutschenfahrten, mit einer Rahmdeckeli-Aktion sowie mit der Kletterkutsche.

Die Aktivitäten des Vereins veränderten sich im Sommer 2015. Damals kündigte die Christoph Merian Stiftung dem Historischen Museum Basel (HMB) die Räumlichkeiten in den Merian Gärten. Dort waren seit 1981 ein Teil der eigenen Kutschen und Schlitten des Museums sowie Leihgaben ausgestellt. Das HMB hat bis heute keinen neuen Ausstellungsraum in Aussicht. Damit haben sich die Ziele des Vereins massiv verändert. Jetzt suchen wir neue Ausstellungsmöglichkeiten. Betrieblich und finanziell ist das eine grosse Aufgabe für den Verein, der jetzt deshalb auf Sympathisanten und Spenden angewiesen ist. 


2. Sie investieren sehr viel Zeit und Energie in Ihr Hobby. Was verbindet Sie mit Kutschen und Schlitten? 

Eigentlich waren es am Anfang weniger Kutschen, als Landwirtschaftsbetriebe, die für ihre Arbeit Pferde einsetzten. Mein Engagement begann mit einem Artikel in der Badischen Zeitung worin ich 2011 über die bevorstehende Schliessung des Kutschenmuseums erfuhr. Diese Meldung veränderte und intensivierte mein Interesse an Kutschen und Schlitten enorm. Ich habe mich damals mit dem Verein Hü-Basel stark für den Erhalt des Museums engagiert. Mit Erfolg. Heute ist die Situation ja wieder anders und stellt unseren Verein vor neue Herausforderungen, denen ich mich gerne und mit Herzblut stelle. Sie sehen, das Thema Kutschen und Pferde entstand durch Zufall. Das ist bei mir immer so: Ich packe dort zu, wo das Leben mich hinführt.


3. Gibt es ein Objekt im Museum, das Ihnen persönlich besonders am Herzen liegt? 

Bei der jetzigen Ausstellung im Museum für Pferdestärken gefällt mir kein bestimmtes Objekt. Gerade das Gegenteil ist der Fall: der breite Querschnitt durch die Kutschen und Schlitten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen begeistert mich! Von Luxuskutschen über öffentliche Wagen und Kinderschlitten bis hin zu gewerblichen Fahrzeugen umfasst die historische Kutschen- und Schlittensammlung ein weites Spektrum. Viele der Wagen wurden in Basel gebaut, gefahren und haben bis heute in Basel überlebt. Dies macht die Sammlung einmalig. Das landwirtschaftlich-luxuriöse Anwesen in den Merian Gärten bot die ideale historische Umgebung.

Es besteht eine aussergewöhnlich umfassende Dokumentation über diese Fahrzeuge. Das Historische Museum Basel kennt dadurch seine Sammlungsobjekte sehr gut, weiss woher welches Fahrzeug stammt, und ergänzt laufend Informationen. Die Tiefe dieses Wissens ist sehr wichtig und wertvoll. 

4. Weshalb ist die K&S-Sammlung relevant für uns alle? Was ist Ihre Message an die Bevölkerung? 

Ganz wichtig in diesem Zusammenhang ist die Erinnerung, dass Kultur, Handel und Reichtum in Basel durch das Reisen und durch die Entwicklung des Strassenverkehrs entstand. Davon lebt Basel heute noch. Die Kutschen repräsentieren einen wichtigen und bewegten Teil unserer Geschichte. Das darf nicht in Vergessenheit geraten.

Kutschen allein sind jedoch nicht spannend. Sie beginnen erst zu leben, wenn man die Geschichten darum herum kennt. Als Chirurg interessiert mich die Unfallprävention. Ein moderner Ausdruck, der aber vom Kutscher im 19. Jahrhundert zusammen mit seinem Pferd schon selbstverständlich war. Die erste Regel lautete damals und hat heute noch Gültigkeit, dass die Leinen (damit lenkt der Kutscher das Pferd) immer in der Hand bleiben mussten. So, wie man heute das Lenkrad im Auto nicht loslässt. Neben dem Kutscher trägt auch das Pferd viel Verantwortung und wird entsprechend nach ethischen Richtlinien gehalten. Diese Zusammenarbeit zwischen Mensch und Tier ist grossartig. Sie verdient den grössten Respekt und macht für mich die Begeisterung für das Gespannfahren aus. 

Das Thema ist sehr vielfältig und die Interessen daran oft auch individuell. Deshalb ist es wichtig, persönliche Zugänge zu schaffen, um das Verständnis für dieses Kulturgut zu wecken. 

5. Was sind Ihre Visionen? Wie geht es weiter?

In meiner Vision kann die Bevölkerung Kutschen anschauen, themenbezogen darüber lernen und sie gleichzeitig erleben. Mit den Objekten der Sammlung des Historischen Museum Basel und mit Stücken von privaten Sammlern möchte Hü-Basel zusammen mit ausgewählten Kooperationspartnern die Geschichte Basels aufleben lassen. Eine Kombination aus Erlebnis und Emotionen soll die Bevölkerung an den neuen Ort locken. Wo das sein wird, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Ziel ist es, Themen wie Fortbewegung, Verkehr, Handwerk und Umwelt anzuschneiden und dafür zu sensibilisieren. Wir möchten eine breite Gruppe ansprechen, insbesondere jedoch Kinder und Jugendliche. Wechselausstellungen sowie Nebenattraktionen würden für eine zusätzliche Belebung sorgen. 

Eine Gruppe fachkundiger Personen steht dem Verein Hü-Basel zur Seite. Unser überregionales Netzwerk ist eine besondere Kraft, die mich optimistisch stimmt.

Am 25. September lädt der Verein Hü-Basel alle Kutschen- und Schlittenfreunde um 16:30 Uhr zu einem Apéro im Opens internal link in current windowMuseum für Pferdestärken ein. Das Museum für Pferdestärken in Brüglingen ist noch bis zum 25. September 2016 geöffnet.

Weitere Blogbeiträge der Blogserie zum Museum für Pferdestärken: "Opens external link in new window5 Fragen an Andres Furger" (1/4), "5 Fragen an Eduard J. Belser" (2/4) & "Opens external link in new window5 Fragen an Johanna Stammler" (3/4).

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