HINTERGRUND

BASEL 1516

STADT DES HUMANISMUS

Basel hatte um 1516 kaum mehr als 10’000 Einwohner und gehörte dennoch zu den kulturellen Hauptstädte Europas. Die Universität Basel war als erste auf dem heutigen Gebiet der Schweiz bereits 1460 durch Papst Pius II. gestiftet worden. Die Handelsmetropole am Rheinknie zog mit ihrem bedeutenden Druckereigewerbe zahlreiche Gelehrte an und übte auf die Intellektuellen ihrer Zeit eine erhebliche Ausstrahlungs- und Anziehungskraft aus. Zu den Pionieren der Druckerkunst gehörten Johannes Amerbach, Johannes Petri und Johannes Froben. Neben dem handwerklichen Können der Basler Drucker, war es besonders ihre verlegerische Kompetenz, die die humanistischen Denker und Autoren Europas nach Basel lockte, die hier ihre Schriften in grossen Mengen und guter Qualität vervielfältigen lassen konnten. Im gastfreien Haus des Druckers Froben im Totengässlein trafen sich Berühmtheiten verschiedenster Gebiete. Unter ihnen waren, neben Erasmus, auch der Künstler Hans Holbein oder der Alchimist und Arzt Paracelsus. Das kritische, humanistische Denken der Gelehrten Basels bot ein ideales Umfeld für Erasmus und ermöglichte es ihm im Jahr 1516, ein so innovatives Werk wie die erste gedruckte Version eines griechischen Neuen Testamentes zu veröffentlichen. Im gleichen Jahr 1516 besiegelte die so genannte «ewige Richtung» zwischen dem Französischen Königshaus und der Schweizerischen Eidgenossenschaft den künftigen Frieden zwischen den beiden Vertragspartnern. Da die Eidgenossenschaft zugleich vertraglich mit den Habsburgern verbündet war, konnte sie sich  – und mit ihr Basel – aus den verheerenden Kriegen zwischen Karl V. und Franz I. heraushalten. So fand Erasmus hier sein ruhiges «Nest». 

Basel schien der geeignete Ort, um von da aus die Erasmischen Reformideen für Kirche und Gesellschaft zu propagieren. Unter der Führung von Martin Luther verbanden jedoch bald viele jüngere Erasmusverehrer und spätere Reformatoren die gemeinsamen Anliegen mit dem Drängen auf eine Kirchenspaltung. Bis 1529 konnte der Basler Rat, einen vermittelnden Weg einschlagen, wie es Erasmus in seinen Gutachten angeraten hatte. Dann jedoch gab Basel den Forderungen der radikaleren Reformationsanhänger statt und baute sein eigenes Kirchenwesen auf.

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Wissenschaftliche Veröffentlichungen im Rahmen des 500 jährigen Erasmus-Jubiläums.